Die Wipfel im Mai

Hellgrün sind sie nun auch hier bei uns in Berlin an den Enden der Zweige zu sehen. Die neuen Austriebe der Fichte, auch als Maiwipfel oder Fichtenwipfel bekannt. Wenn ich mich jedoch in meinem Bekanntenkreis etwas umhöre, merke ich, dass sie so bekannt wohl doch nicht sind. Denn sehr oft bekomme ich sehr erstaunte Kommentare zu hören, wenn ich berichte wozu man sie verwenden kann. Ob als Likör, Gelee oder Hustensirup, die Palette ist sehr reichhaltig. Wollen wir uns diese Wipfel also mal etwas näher anschauen.

In Deutschland ist die Fichte die häufigste Baumart. Sie gehört zur Familie der Kieferngewächse. Ursprünglich war die Gemeine Fichte, die einzige in Mitteleuropa heimische Art. Wegen ihrer geschuppten und rotbraunen Rinde wird sie oft auch als Rottanne oder Rotfichte bezeichnet.

Die Gemeine Fichte kann bis zu 600 Jahre alt werden. Sie ist ein immergrüner Baum, mit einer durchschnittlichen Wuchshöhe von 40 m. Damit ist sie neben der Weißtanne, der höchste Baum in Deutschland. Der Stamm wächst aufrecht und erreicht einen Durchmesser von ca. 1,5 m. An diesem bildet sich die Krone kegelförmig aus.

Die Rinde ist fein-geschuppt und besitzt eine rot-braune Farbe. In höheren Lagen, wie dem Gebirge, kann sie auch gräulich sein.

Die Blätter sind nadelförmig. Die Nadeln sind dunkelgrün und besitzen beidseitig schwache weiße Linien. Sie sind bis zu 2,5 cm lang und ca. 2 mm breit. Außerdem sind sie spitz, was ein Unterscheidungsmerkmal zur Tanne ist. Den: "Die Fichte sticht, die Tanne nicht!" Die Nadeln sitzen auf kleinen braunen Blattkissen. So bleibt beim abziehen der Fichtennadeln ein kleines Fähnchen hängen. 

 

Ab Mai bis etwa Ende Juni erscheinen an den Astenden die hellgrünen neuen Fichtentriebe. Sie sind reich an Vitamin C, Harzen, Ätherischen Ölen und Tanninen. Das macht sie für uns so wertvoll. Denn diese Kombination kurbelt unser Immunsystem an und hilft  zusätzlich auch gegen Erkältungskrankheiten. Durch ihre perfekt abgestimmten Inhaltsstoffe wirken sie antibakteriell, schleimlösend und beruhigend.

Beim Sammeln der Triebe gibt es einiges zu beachten.

- Wenn man im Wald sammeln möchte, muss man den Besitzer oder den Förster um Erlaubnis bitten. Einfach so drauf los sammeln ist nämlich verboten.

- Bitte nur von Fichten Triebe sammeln, die groß genug sind und dann nur im unteren Bereich.

- Nicht zu viel von einem Baum sammeln, sondern lieber von mehreren Fichten.

- Um das Wachstum nicht zu schädigen, nicht den Haupttrieb absammeln. Sondern nur von den Nebentrieben.

Es gibt zahlreiche Rezepte mit Fichtentrieben. Daher möchte ich euch hier zumindest eines der bekanntesten davon vorstellen.

Maiwipferl-Sirup

Der Maiwipferl-Sirup ist ein traditionelles Mittel gegen Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Für unsere Urgroßmütter war dieser Sirup noch ein fester Bestandteil der Hausapotheke. Leider ist er in den letzten Jahre immer mehr in Vergessenheit geraten. Aber es lohnt sich, ihn auszuprobieren. 

Zutaten:

- Junge Fichtentriebe
- Brauner Rohrzucker

In einem sauberen und verschließbaren Glas wird der Zucker abwechselnd mit den Fichtentrieben geschichtet. Dabei mit Zucker anfangen und auch mit Zucker aufhören. Das ist wichtig, um Schimmelbildung zu vermeiden. So lange weitermachen, bis das Glas voll ist. Anschließend das Glas verschließen. Das Glas an einem warmen Ort stehen lassen. Der Zucker fängt an, sich aufzulösen. Das braucht seine Zeit und wir vor allem Geduld ;)

 

Früher war es üblich, dass fertig gefüllte Glas den Sommer über in der Erde zu vergraben..So konnte sich der Zucker mit der Wärme des Erdbodens verflüssigen und die Inhaltsstoffe hatten genügend Zeit, in den Sirup überzugehen.