Digitale Kräuterführung im Frühjahr

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen.

 

Für gewöhnlich ist jetzt die perfekte Zeit für die ersten Kräuterwanderungen des Jahres. Allerdings macht uns dieses Jahr ein kleines und gemeines Virus einen Strich durch die Rechnung. Durch die Einschränkungen, die uns dadurch treffen bleiben uns gemeinsame Ausflüge zurzeit leider versagt. Aber vor ein paar Tagen war ich dennoch draußen in der Natur unterwegs, genauer gesagt im evangelischen Johannesstift in Spandau. Dort gibt es Pferdekoppeln und auch ein paar Felder, mit angrenzendem Waldstück, wo man gut spazieren gehen kann. Das ist uns ja zum Glück nicht verboten 😉

 

Auf meinem Streifzug habe ich einige Frühblüher entdeckt, die man jetzt häufiger antrifft. Die möchte ich euch nicht vorenthalten. Im Folgenden teile ich meine Funde mit euch und stelle sie euch kurz vor. Ausführlichere Beschreibungen und Rezepte werdet ihr nach und nach im Teil Pflanzen-ABC finden.

 

 

Als erstes begegnete mir die purpurrote Taubnessel. Ihre Blütezeit beginnt meistens im März. Von der Erscheinung her erinnern sie mich immer an Pilze, die uns ihre roten Köpfe auf den noch nicht sehr hoch gewachsenen Grünflächen entgegenstrecken. Das liegt daran, dass die roten Blüten im oberen Teil der Pflanze quirlig angeordnet sind und die Laubblätter dazu dort auch noch rötlich überlaufen sind.

Der Stängel ist vierkantig, halt typisch für Lippenblütler. Die Laubblätter sind eher im oberen Teil der Pflanze vorhanden. Im unteren Bereich finden sich dagegen nur wenige Blätter. Sie sind kreuzgegenständig angeordnet und von der Form her eiförmig.

Die Blüte ist eine Lippenblüte, bestehend aus einer 4 – 6 mm langen Oberlippe und einer etwa 2 mm langen Unterlippe. Damit locken sie Bienen und Hummeln an, für die die purpurrote Taubnessel eine wichtige Futterpflanze im zeitigen Frühjahr ist.

 

Rund um die Taubnessel herum befanden sich Unmengen an Efeu-Ehrenpreis. Mit ihren typischen Blättern und ihren filigran anmutenden Blüten bildeten sie regelrechte Teppiche. Sie gehören zur Familie der Wegerichgewächse, zu denen auch der Spitzwegerich oder der rote Fingerhut gehören. Daran sieht man, dass diese Familie sehr unterschiedliche Pflanzen zum Vorschein bringen kann. Man kann den Efeu-Ehrenpreis leicht von den anderen Ehrenpreisarten unterscheiden. Denn die Blätter sind eher rundlich oder oval und der Blattrand ist leicht gekerbt. Die Laubblätter sind sitzend und im unteren Bereich gegenständig am Stängel angeordnet. Zu den Blüten hin sind die Laubblätter dann eher wechselständig. Sowohl Blätter als auch die Stängel sind leicht behaart.

Die Blüten sind sehr zart und klein. Sie sind lang gestielt und stehen einzeln. Sie sind blau oder blaurot und besitzen dunkle blaue Saftmale. Es findet eine Fremdbestäubung durch Insekten statt. Bei Regen bleiben die Blüten hingegen geschlossen. Bei schlechten Wetterverhältnissen kann es auch zu einer Selbstbestäubung kommen.

 

 

Ein Stückchen weiter war Klettenlabkraut zu finden. Es bleibt gerne an Kleidung, Schuhen oder Tierfell hängen, was seinen Namen erklärt. Diese Fähigkeit verdankt es Borstenhaaren, die am Stängel und den Laubblättern zu finden sind. Zu ihrer Familie, den Rötegewächsen, gehört auch der Waldmeister. Eine Ähnlichkeit ist hier, im Gegensatz zu anderen Familien, schon zu erkennen. Die Blütezeit beginnt erst im Frühsommer, so dass zum jetzigen Zeitpunkt nur die Laubblätter vorhanden sind.

Der Stängel ist vierkantig. An den Kanten besitzt er rückwärts gerichtete Borstenhaare. Die Blattform ist lanzettlich und die Blattspitze besitzt eine Stachelspitze. An der Oberseite besitzen die Blätter Borsten, die zur Spitze hin gerichtet sind. Am Blattrand sind die Borsten rückwärts gerichtet. Durch diese spezielle Behaarung ist es dem Klettenlabkraut möglich, aufsteigend zu wachsen. Es ist ein sogenannter Spreizklimmer. Die Laubblätter sind zu sechst bis neunt quirlig am Stängel angeordnet.

Das Klettenlabkraut dient vielen Insekten als Nahrungsquelle. Besonders zu erwähnen ist der Tatzenkäfer, der sich ausschließlich vom Klettenlabkraut ernährt.

 

 

Eine weitere Pflanze, die mir auf meinem Spaziergang begegnete war die Vogelmiere. Das ist nicht verwunderlich, denn die Vogelmiere ist eine der wenigen Pflanzen, die unter günstigen Umständen das ganze Jahr über blüht. Das Nelkengewächs folgt dem Menschen überall hin und kann sich leicht an neue Standortbedingungen anpassen. Sie ist, wie der Efeu-Ehrenpreis, ein Bodendecker.

Typisch für die Vogelmiere, ist eine Haarlinie auf dem Stängel. Darüber kann die Pflanze, zusätzlich zu den Wurzeln, Wasser aufnehmen. Ein weiteres typisches Merkmal ist der sogenannte „Hühnerdarm“. Dieser wird sichtbar, wenn man den Stängel der Vogelmiere vorsichtig auseinanderzieht. Die Laubblätter sind gegenständig angebracht. Im unteren Bereich sind sie gestielt, während sie weiter oben ungestielt am Stängel sitzen. Die Blattform ist eiförmig und spitz zulaufend.

Die Blüten sind weiß. Es gibt fünf Blütenblätter. Allerdings sind sie tief eingeschnitten. Dadurch könnte man meinen, es gäbe zehn Blütenblätter. Die Kelchblätter sind länglich und behaart.

Sie stellen eine Nahrungsquelle für Insekten dar, die auch der Bestäubung der Vogelmiere dienen. Der Insektenbesuch ist jedoch eher spärlich, so dass die Vogelmiere häufig auf Selbstbestäubung zurückgreift.

 

 

Das Frühlings-Hungerblümchen ist eine echte Frühjahrspflanze. Ihre Vegetationsperiode ist recht kurz. Ihre Blütezeit ist bereits spätestens im Mai schon wieder vorbei. Wie die meisten Kreuzblütler besitzt auch das Hungerblümchen eine bodenständige Grundrosette. Die Blattform dieser Blätter ist lanzettlich bis verkehrt eiförmig. An der Spitze ist das Blatt leicht zugespitzt. Die Oberseite des Blatts ist behaart.

Die Blüten sind in Trauben angeordnet. Sie sind vierzählig. Die Blütenblätter sind weiß, der Blütenkelch ist länglich und behaart. Meistens hat er eine rötliche Farbe. Bereits Ende Mai erfolgt die Fruchtreife. Es werden fast runde Schötchen gebildet. Diese sorgen dafür, dass bereits bei Herbstbeginn die Grundrosette für das nächste Jahr vorhanden ist.

Da nur wenige Bestäuber vorbeikommen, findet häufig eine Vermehrung durch Selbstbestäubung statt.

 

Das waren fünf von unzähligen Pflanzen, die man jetzt schon in der Natur antreffen kann. Viele weitere folgen und werden in den nächsten Monaten für Farbe, Düfte und Reichhaltigkeit sorgen. Etwas worauf wir uns in diesen besonderen Zeiten durchaus freuen dürfen.